Kompetenzorientierte Unterrichtsplanung

Aus ExploreCreateShare-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pfälzer "Gutsjemodell"
In diesem Artikel wird ein Kompetenzmodell erläutert, das von den MitarbeiterInnen des Amtes für Religionsunterricht der Ev. Kirche der Pfalz in den Jahren 2011/12 entwickelt wurde.

Demnach gliedert sich eine kompetenzorientierte Unterrichtsplanung in fünf Stufen:

Analyse -> Planung -> Gestaltung und Begleitung des Lernwegs -> Evaluation -> Neuer Weltbezug & Transfer

Die Analyse

Am Anfang jeder kompetenzorientierten Unterrichtseinheit stehen Überlegungen der Lehrkraft über das, was die SchülerInnen am Ende der Einheit (besser) können sollten. Dabei kann es sich handeln um

  • Kompetenzen, die die SchülerInnen erwerben sollen, weil sie (wiederholt) einer bestimmten Anforderungssituation ausgesetzt sind (zB jährlich wiederkehrender Weihnachtsfeste)
  • Kompetenzen, die die Schüler aus eigenem Antrieb erwerben möchten (zB die Fähigkeit, Weihnachtsüberraschungen für die Familie herzustellen)
  • Kompetenzen, von denen die Schüler jetzt noch nichts wissen, die aber später in ihrem Leben wichtig werden (zB die Fähigkeit, weihnachtliche Symbole zu deuten, um eines Tages die Ware Weihnacht von der wahren Weihnacht unterscheiden zu können)

Je nach Art der anzubahnenden Kompetenz bzw vermuteten Anforderungssituation ist eine Analyse der Anforderungen, Vorkenntnisse, (Lern-)Voraussetzungen und Interessen der SchülerInnen erforderlich (durch Abfragen, Erheben der SchülerInnen-Interessen). Erst wenn dieses geschehen ist, kann eine klare Formulierung von Kompetenzen vorgenommen werden.

Die Planung der Einheit

Die Planung und Strukturierung richtet sich an den formulierten Kompetenzen aus. Inhaltlich kann dabei auf den umfangreichen Schatz an bereits erstelltem Material bzw vorhandener Einheiten zurückgegriffen werden.

Die Gestaltung und Begleitung des Lernwegs

muss sich inhaltlich nicht wesentlich von bisherigen, lernzielorientierten Einheiten/Lernwegen unterscheiden. Allerdings sollten sich gewisse Schwerpunkte verschieben:

  • Die SchülerInnen sind die Subjekte des Lernens: Die Person der Lehrkraft sollte demgegenüber zurücktreten und sich nach Möglichkeit darauf beschränken, den Rahmen des Lernprozesses zu gestalten, die Schüleraktivität anzuregen, zu moderieren und zu begleiten.
  • Letzlich geht es nicht mehr um die Aneignung religiösen Wissens an sich, sondern darum, dass die SchülerInnen durch das Erlernte getröstet, lebensklüger und lebenstüchtiger werden: Religiöses Wissen, dass dafür nichts austrägt, muss auch nicht vermittelt werden.
  • Der Erwerb von Kompetenzen, dh Fähig- und Fertigkeiten, wird durch offene und differenzierte Unterrichtsmethoden und Arbeitsformen erleichtert, bei denen die SchülerInnen abhängig von ihren jeweiligen Voraussetzungen durch Selbsterprobung dazulernen können.

Schließlich wird der Religionsunterricht immer eine seelsorgerliche Komponente enthalten, die sich nicht in das Korsett der Kompetenzorientierung pressen lässt. Es ist wichtig, dass Schüler auch im Unterricht die Freundlichkeit Gottes erfahren können: eine Zuwendung, die keine Gegenleistung verlangt, sondern sie so annimmt, wie sie sind.

Die Evaluation

Wenn der Lernweg gemeinsam durchschritten wurde, geht kompetenzorientierter Unterricht nicht atemlos zum nächsten Thema über, sondern nimmt sich Zeit für eine Bestandsaufnahme des Erreichten.

  • Die Schüler werden evaluiert (in Form von Überprüfungen, Übungen, Hausarbeiten)
  • Die Schüler evaluieren den zurückgelegten Lernweg (Feedback)
  • Die Lehrkraft evaluiert sich selbst und vergleicht das Erreichte mit dem Erwartungshorizont, der durch die Formulierung der Kompetenzen abgesteckt wurde

Neuer Weltbezug, Transfer

Wenn die Evaluation ergibt, dass ein signifikanter Kompetenzzuwachs stattgefunden hat, ja dass die SchülerInnen die Welt mit neuen Augen ansehen, wäre ein lebensweltlicher Transfer ein goldener Abschluss der Einheit.

Gerade das Weihnachtsfest bietet sich für einen solchen Transfer an, indem man mit den SchülerInnen eine Aktion entwickelt oder eine feierliche Performance erarbeitet, welche auch für erwachsene Beteiligte oder Zuschauer zum Gewinn wird.